Frühjahrsputz für die Webseite von Trainer, Coachs und Beratern

veröffentlicht von am Apr 12, 2015 in Brandrede | 6 Kommentare
Frühjahrsputz für die Webseite von Trainer, Coachs und Beratern

Kürzlich las ich, dass Schriftstellerin Susan Sonntag Listen mit Substantiven und Verben führte. Warum genau sie das tat, weiß man nicht. Aber es inspirierte mich zu einer einer kleinen Fleißübung: Ich habe die Webseiten von Trainer, Coaches und Beratern aufgeräumt. Quasi Frühjahrsputz. Ich habe die Sätze auf den Startseiten sortiert nach Substantiven, Verben und Adjektiven. Mehrfachnennungen waren möglich. Alle anderen Wörter wie Pronomen, Füllwörter etc. ebenso wie die Berufsbezeichnungen Trainer, Coach und Berater habe ich nicht in die Listen aufgenommen. Mir war wichtig festzustellen, wie die Branche über ihre Arbeit spricht.

Menschen reden anders mit Menschen

Es ist erstaunlich: In der Summe werden mehr Hauptwörter als Verben und Adjektive zusammen verwendet. Ich finde es erschreckend, wie sachlich über eine Arbeit gesprochen wird, bei der Menschen mit Menschen arbeiten. Waren sie nicht angetreten, damit Menschen Ängste überwinden, sich mutig verändern,  über ihren eigenen Schatten springen, die Verantwortung für sich und andere übernehmen? Nach der zehnten Seite habe ich aufgehört, die Listen zu ergänzen. Die Dubletten häuften sich und mir kam das kalte Grausen über die Nüchternheit und die Leere, die in den verwendeten Worten steckt. Menschen sollten anders mit Menschen sprechen, wenn ihnen Menschen wirklich wichtig sind.

Vom Was zum Warum

Viele Vertreter dieser Berufsgruppe beklagen sich, dass es ihnen schwer falle, sich abzuheben in dem unübersichtlichen Feld der vielen Trainer, Coaches und Berater. Sie können nicht erklären, was sie von den anderen unterscheidet, da doch offensichtlich alle irgendwie das Gleiche tun. Das ist richtig, deshalb sollten sie aufhören, nur darüber zu sprechen, was sie tun.

Gehören Sie zu der genannten Berufsgruppe? Dann wäre es ein guter Anfang zu erzählen, warum Sie tun, was Sie tun. Ich berate sehr viele Coaches, Trainer und Berater. Ich weiß, dass hinter jedem dieser Menschen eine einzigartige Geschichte steckt. Eine Summe von Erlebnissen und Erfahrungen, die dazu geführt hat, diese Richtung einzuschlagen. Eine gute Übung dazu ist die mit den zehn wichtigsten Ereignissen des Lebens, die ich in dem Artikel „Vergessen Sie Ihre Über-mich-Seite“ verlinkt habe.

Ein zweiter guter Schritt wäre, keinen der Begriffe aus den nachstehenden Listen zu verwenden, wenn Sie über Ihre Arbeit sprechen. Das würde Sie auf einen Schlag wirklich einzigartig machen!

 

Substantive


Ansatz

Ansprechpartner

Arbeit

Arbeitsabläufe

Arbeitsumfeld

Aufbau

Aufgaben

Basis

Bedürfnisse

Begleitung

Beratung

Beratung

Berufserfahrung

Bewegung

Bewerbung

Durchführung

Ebene

Effektivität

Einstellung

Einzelpersonen

Entwicklung

Entwicklungsausrichtungen

Erfolg

Erfolg

Erreichung

Etablierung

Fragen

Freiheit

Freiheit

Führen

Führungskräfte

Führungskräfte

Führungskräfte

Führungskräfte

Führungskräfte

Führungskräfteentwicklung

Führungskultur

Führungspersönlichkeiten

Geschäftspartner

Gestaltung

Größe

Handlungsspielraum

Herausforderung

Herausforderungen

Ideen

Innovation

Karriere

Kerngeschäft

Kommunikation

Kommunikation

Kompetenzen

Kompetenzen

Konflikte

Kooperation

Kooperation

Kreativität

Kultur

Kunden

Lernen

Lernprozess

Lösungen

Lösungen

Lösungswege

Management

Markt

Maß

Methoden

Mitarbeiter

Mitarbeitermotivation

Organisation

Organisation

Organisationen

Partner

Personalentwicklung

Personalentwicklung

Personalentwicklung

Personalentwicklungsprozesse

Persönlichkeit

Persönlichkeitsentwicklung

Potenzial

Potenziale

Professionalität

Programme

Projekte

Prozesse

Qualifizierungsmaßnahme

Raum

Raum

Resultate

Rezepturen

Situationen

Struktur

Struktur

Team

Teams

Teams

Teams

Thema

Themen

Unternehmen

Unternehmen

Unternehmen

Unternehmen

Unternehmen

Unternehmen

Unternehmen

Unterstützung

Veränderung

Veränderungen

Veränderungsprozess

Veränderungsziele

Verhalten

Vertriebsmitarbeiter

Wandel

Wandel

Weiterentwicklung

Worthülsen

Ziele

Verben


agieren

akzeptieren

ändern

angehen

anlegen

ausbauen

beeinflussen

begleiten

bewältigen

gestalten

bieten

brauchen

bringen

denken

entfalten

entscheiden

entstehen

entwickeln

entwickeln

eröffnen

erweitern

folgen

freisetzen

freuen

geben

gelebt werden

gestalten

können

lösen

nutzen

orientieren

reagieren

suchen

umsetzen

unterliegen

unterstützen

unterstützen

unterstützen

verbessern

verstehen

widersprechen

wissen

Adjektive


anders

beruflich

bestehend

dauerhaft

erfahren

erfolgreich

erfolgreich

ergebnisorientiert

europaweit

flexibel

gemeinsam

geschäftlich

gezielte

hochwertig

individuell

individuell

intern

konkret

kontinuierlich
fit

konzeptionell

langfristig

langfristig

langjährig

leicht

maßgeschneidert

mitarbeiterorientiert

modern

möglich

nachhaltig

nachhaltig

nachhaltige

neu

passend

passgenau

permanent

persönlich

privat

professionell

professionell

richtig

schnell

sozial

spezialisiert

strategisch

systematische

systemisch

täglich

tätig

unternehmerisch

unterschiedlich

verantwortlich

voll

zertifiziert

zukunftsorientiert

Wenn das irgendjemand (Germanisten, Psychologen, Linguisten etc.) liest, der mir folgende Frage beantworten kann, freue ich mich über Kommentare: Warum sprechen Menschen, die bei ihrem Schaffen so viel Wert auf Persönlichkeit und Einzigartigkeit legen, eigentlich so unpersönlich und austauschbar über ihre Arbeit?

6 Kommentare

  1. Susann Steidl
    13. April 2015

    Guten Morgen, Maren,
    auch wenn ich Linguisitn bin, kann ich dir keine wissenschaftliche Theorie anbieten, die deine Beobachtungen erklären/belegen könnte … aber ich habe eine persönliche Meinung dazu. Mir ist dieses Phänomen nämlich auch schon aufgefallen und ehrlichgesagt, bin ich mit meiner eigenen Website seit Jahren deswegen im Argen.

    Also, ich denke, dahinter stecken zwei „Probleme“: das Reflektieren als Arbeitskern von Beratern, Coaches etc. (Jedes Wort kann auf der Goldwaage landen.) und das die Tätigkeit schwierig zu erklären ist. Deswegen wird das Heil in den immer gleichen wiederkehrenden Begriffen gesucht. Diese stammen dann entweder aus den jeweiligen Wissenschaften oder sind mittlerweile in der Branche etabliert, haben Wiedererkennungswert.

    Deswegen finde ich den Vorschlag, vom Was zum Warum überzugehen sehr gut. Ich selbst versuche mich gerade an dem Ansatz, mein Gegenüber zum einen als Mensch und zum anderen ohne oder zumindest nicht mit tiefgründigem Fachwissen zu sehen. Denn bei einigen Seiten habe ich den Eindruck, dass nicht primär der Kunde angesprochen wird, sondern immer auch ein Wettbewerber, der alte Prof oder das eigene Fach-Ego mit auf der Schulter sitzen und beeindruckt werden wollen.

    So, das war’s. Viele Grüße in die Runde!

  2. Maren Martschenko
    13. April 2015

    Liebe Susann, vielen Dank für die Einschätzung. Natürlich ist es schwierig zu erklären, was wir tun, aber deswegen sollten wir es uns doch nicht so leicht machen, auf eine gute Erklärung zu verzichten, und es dem Kunden so schwer machen das zu verstehen.
    Auf die Idee, dass man für die Wettberwerber oder den alten Prof schreibt, bin ich noch gar nicht gekommen. Aber das wäre eine gute Erklärung. Besonders schlau daherkommen zu wollen, ist allerdings nicht hilfreich ;-) Denn am Kunden vorbei zu schreiben ist voll daneben!
    Mir hilft beim Schreiben die Vorgehensweise aus dem Magnetprodukt-Kit: Ich überlege mir genau, welche Probleme meine Kunden haben und wie sie sie selbst ausdrücken. Und welche Bedürfnisse sich daraus aus Ihrer PErspektive ergeben. Das führt ganz schnell dazu, eine andere Ausdrucksweise anzuschlagen.
    Ich wünsche Dir gutes Gelingen für Deine Webseite!

  3. Kerstin Hoffmann
    13. April 2015

    Zuerst wollte ich hier in einem Kommentar antworten. Dann ist es etwas länger geworden. Jetzt habe ich es für eine Blog-übergreifende Diskussion zu einem eigenen Beitrag werden lassen:

    Wie man einzigartige Webtexte für einzigartige Berater-Angebote schreibt

    http://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/2015/04/13/wie-man-einzigartige-webtexte-fuer-einzigartige-berater-angebote-schreibt/

  4. Maren Martschenko
    13. April 2015

    Liebe Kerstin,
    vielen Dank für Deine wunderbaren Tipps. Der Artikel kommt zu meinen All-time-Favs und wird an jeden Trainer, Coach und Berater geschickt, der mir mit 0/8/15-Texten kommen will. So geht Texten!

  5. Gaby Feile
    14. April 2015

    Liebe Frau Martschenko,

    vielen Dank, dass Sie nach dem Frühjahrsputz, uns Lesern und „Verfolgern“ Ihre gesammelten Wörter präsentieren. Ihre Tipps sind prima und Kerstin Hoffmann hat Ihren Beitrag wunderbar ergänzt und angereichert.

    Deshalb halte ich mich kurz und beschränke mich auf drei Impulse:

    1. Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.
    2. Nicht schauen, was die anderen schreiben (und schon gar nicht kopieren).
    3. Einfach machen!

    Viele Grüße

    Ihre Kommplizin Gaby Feile

  6. Maren Martschenko
    14. April 2015

    Vielen Dank, Gaby Feile! Sehr gute Impulse, wobei ich ergänzen möchte: Der Fisch muss auch dem Angler schmecken ;-)

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