Gewinnt Ihre Webseite Kunden oder im Buzzword-Bingo?

veröffentlicht von am Jan 25, 2015 in Brandrede | 5 Kommentare
Gewinnt Ihre Webseite Kunden oder im Buzzword-Bingo?

Mir stellen sich die Nackenhaare auf, wenn Unternehmer sagen „Die Webseite ist meine erweiterte Visitenkarte“. Diesen Satz höre ich immer wieder von Selbständigen im Zusammenhang mit ihrem Internetauftritt. Entsprechend sehen diese Webseiten aus: Seiten mit Bleiwüsten ohne Aussagekraft, garniert mit austauschbaren Fotos aus Bilddatenbanken. In der Beratungs- und Coachingbranche finden sich gerne Segelboote auf hoher See oder Bergsteiger am Fels umrahmt von Aussagen wie „Wir sind Ihr zuverlässiger Partner auf Augenhöhe. Ihr Erfolg ist unser Ziel.“ Damit gewinnt man im Buzzword-Bingo, aber keine Kunden. Das ist rausgeworfenes Geld, denn eine gute Webseite kann so viel mehr!

Im Folgenden erkläre ich die fünf wesentlichen Aufgaben einer Webseite von Solopreneuren und kleinen Unternehmen, ergänzt um je drei Fragen bzw. Tipps, wie sie erreicht werden können.

Aufgabe 1: Informieren auf den ersten Blick

Mit zunehmender Digitalisierung sinkt die Aufmerksamkeitsspanne. Gleichzeitig werden wir immer trainierter, visuelle Informationen schnell aufzunehmen. Webseiten-Besucher scannen von links oben nach rechts und wieder links die Startseite. Sie suchen den Text und Bilder von Menschen. Deshalb ist es wichtig, auf einen Blick in Wort und Bild deutlich zu machen:

  • Wer?
  • Macht was?
  • Für wen?

Aufgabe 2: Dem ersten Eindruck eine zweite Chance geben

Gerade Solopreneure und kleine Unternehmen leben von Empfehlungen. Was bedeutet das für die Webseite? Sie ist nur in sehr seltenen Fällen die erste Anlaufstelle im Zusammenhang mit ihrer Firma. Daher ist es wichtig, dass die Informationen auf der Webseite den ersten Eindruck bestätigen, den der Besucher bei einem persönlichen Gespräch, einem Vortrag oder Artikel gewonnen hat. Wenn es gelingt, diesen Eindruck konsistent zu bestätigen, stärkt das enorm das Vertrauen und damit die Bereitschaft zu einer möglichen Beauftragung. Es lohnt sich, im eigenen Netzwerk immer mal wieder nachzufragen und Inhalte entsprechend anzupassen:

  • Wofür empfehlen Sie mich?
  • Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an mir?
  • Warum besuchen Sie meine Webseite?

Aufgabe 3: Nützlich sein

Es ist anzunehmen, dass es für den Besucher einen Anlass gibt, Ihre Webseite zu besuchen. Auf irgendeine Weise wurde die Neugierde geweckt. Stillen Sie diese! Bieten Sie zur Kernfrage des Webseiten-Besuchers („Wer macht was für wen?“ – siehe oben) weiterführende nützliche Informationen:

  • Eine Über-mich-Seite, die aussagekräftig erklärt, wer hier tätig ist. Dazu gehört mehr als ein klassischer Lebenslauf.
  • Eine Angebotsseite, die klar und konkret verdeutlicht, was Sie für Ihre Kunden tun. Dazu gehören wesentliche Bestandteile Ihrer Leistung, des Nutzens, den sie stiftet, und des Ablaufs.
  • Eine Referenzseite, auf der Sie Ihre bisherigen Kunden erzählen lassen, für wen Sie gut und gerne arbeiten.

Aufgabe 4: Dem Unternehmen ein persönliches Auftreten geben

Bei kleinen Unternehmen erlebe ich oft, dass sie größer wirken wollen, um im Wettbewerb gegen die große Konkurrenz bestehen zu können. Schnell retten sich diese Firmen in unpersönliche Fachsprache oder ein anonymes Wir. Dabei ist es in der direkten Zusammenarbeit meist die Persönlichkeit, die über den Erfolg entscheidet. Wenn Spezialwissen gefordert ist, können die kleinen Unternehmen und Freelancer oft sogar besser punkten als große Anbieter, weil sie agiler sind und über deutlich mehr Expertise für die Nische verfügen. Zeigen Sie die Persönlichkeit von Anfang an:

  • Schreiben Sie in Ich-Form, wenn Sie alleine agieren. Verwenden Sie die Wir-Form wirklich nur genau da, wo es ein Wir gibt.
  • Zeigen Sie Ihr Gesicht und das Ihrer Mitarbeiter. Die Investition in ein individuelles Porträt-Shooting für die Webseite macht sich immer bezahlt.
  • Lassen Sie auch Emotionen und persönliche Gedanken und Erfahrungen in Ihre Texte einfließen. Das schafft Aufmerksamkeit. Keine Sorge: Das geht auch, ohne privat zu werden.

Aufgabe 5: Kunden binden

Die meisten Unternehmer denken bei der Konzeption ihrer Webseite an potenzielle Neukunden. Dabei ist die Gewinnung eines neuen Kunden deutlich aufwändiger ist als die eines bestehenden Kunden. Geben Sie Ihren Kunden einen guten Grund, immer wieder auf Ihre Webseite zurückzukehren.
Mögliche Ideen hierfür:

  • Ein Corporate Blog mit Informationen zu aktuellen Themen, mit Impulsen für die Praxis, mit spannenden Interviews aus Ihrer Ecke des Berufs
  • Ein Download-Bereich für Checklisten und Whitepaper, die Ihre Kunden im Arbeitsalltag einsetzen können
  • Eine Übersicht mit Terminen, auf denen Sie persönlich anzutreffen sind oder zu Workshops, die Sie anbieten

 

Wo stellen sich Ihnen in Sachen Webseite die Nackenhaare auf? Was begeistert die Besucher bei Ihrer Webseite? Ich freue mich über Kommentare und, wenn Sie den Artikel nützlich fanden, übers Weiterteilen.

 

Vielleicht haben Sie das Gefühl, dass an Ihrer Webseite eine Schraube locker ist? Diese können Sie gerne in meinem nächsten Espressinar „Fünf Stellschrauben einer ansprechenden Webseite“ am 21. April 2016  festziehen.

5 Kommentare

  1. Inga von Thomsen
    26. Januar 2015

    Hallo Maren,

    hach, danke – das waren gute Punkte und Hinweise, um mal wieder auf die eigene Seite zu schauen! ;-)

    Herzliche Grüße
    Inga

  2. Maren Martschenko
    27. Januar 2015

    Deine Über-mich-Seite gefällt mir auf jeden Fall sehr, liebe Inga. Abseits vom üblichen Mainstream.

  3. Job,Board,Aggregator,Jobsuche,Suchresultat,Word-of-Mouth,Marketing,Social-Media-Audit,
    28. Januar 2015

    […] Kürzlich las ich einen interessanten Werbespruch von Markenberaterin Maren Martschenko: […]

  4. Sabine Dinkel
    28. Januar 2015

    Hallo Maren,

    wunderbar, Segelboote waren mir schon immer zu holzschnittartig.

    Ebenso Anker, Rettungsringe und Pusteblumen (wobei mir gerade siedend heiß einfällt, dass ich auch einen Rettungsring auf der Seite habe, allerdings gut versteckt ;o)

    Ich persönlich reagiere auch allergisch auf Zitatehuberei der üblichen Verdächtigen: Goethe, Buddha, Henry Ford…

    Wenn schon Zitate, dann wenigstens von den Simpsons ;o)

    Danke für den schönen Artikel.

    Herzliche Grüße
    Sabine

  5. Maren Martschenko
    29. Januar 2015

    Hallo Sabine, vielen Dank für diesen Herz erfrischenden Kommentar. Ich musste schon sehr schmunzeln beim dem Gedanken an ein IT-Beratungsunternehmen, das sich mit einem Simpson-Zitat schmückt ;-) Es wäre mir auf Anhieb sympathisch.
    Ansonsten bin ich der festen Überzeugung, dass jeder, der gutes Geld mit seiner Arbeit verdienen kann, auch gute eigene Sätze sagen kann, die es locker mit irgendwelchen Zitatelisten aufnehmen können. Alles andere ist austauschbar.

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